Es gibt Berufenere, die klug und fundiert über Gunter Hampel, seine Musik und die Bedeutung für die deutsche und amerikanische Jazzszene schreiben und berichten können. Ich kann nur ein wenig über meine persönlichen Erfahrungen schreiben über einen Mann, der einer der Väter, wenn nicht der Vater des deutschen Free Jazz war und den ich als junger Musiker Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre und auch später sehr bewundert habe.
Die erste Begegnung war in Moers in der Röhre, dort habe ich ihn angesprochen und gefragt ob er am nächsten Tag ein wenig Zeit hätte, mir einige Tipps zu geben. Zugegebenermaßen habe ich kaum etwas von dem verstanden, was er mir sagte zur Musik. „Sei neugierig, geh Deinen Weg und bleib gut drauf.“

Wiedergetroffen habe ich ihn dann 1970 in New York (ich arbeitete in West Virginia für eine deutsche Bergbauzulieferfirma und besuchte dort an einem Wochenende meine erste Flötenlehrerin) bei einem Spaziergang durch die Stadt, da stand er an einer Ecke und spielte auf seiner Bassklarinette. Von 1972 bis 1977 wohnte ich in Köln über dem Jazzclub Päff im Friesenwall und dort trat er mit seiner Galaxy Dream Band auf. Leider kam es kaum zu einem Kontakt – die Band hatte ihr Backstage in meinem Proberaum unter dem Päff, es war keine gute Stimmung und viele Drogen unterwegs.
Als ich 1989 dann mit regelmäßigem Programm im LOFT begonnen hatte war er tatsächlich der erste „namhafte“ Jazzmusiker, der bei uns im Juni 1990 (im Duo mit Matthias Schubert) spielte.
Der Radikale Flügel des Loftjazz (in New York)
Durch den Moerser Rechtsanwalt Karl Wiemann, der eine unglaubliche Schallplattensammlung besaß, lernte ich, wenn wir uns Sonntags nachmittags zum Musik hören trafen, auch die Musik von Marion Brown, Don Cherry oder Cecil Taylor kennen, eine Musik, die die TAZ in ihrem Nachruf auf Gunter als den radikalen Flügel der Loftjazzfraktion in New York bezeichnete und zu der eben auch Gunter Hampel gehörte, vielleicht der einzige deutsche Musiker, der neben dem Vibrafonisten Karl Berger in New York eine Rolle gespielt hat.
Und da ich den Namen LOFT für meinen Spielort genau in Bezug auf diese Zeit gewählt habe und das Gunter auch erzählt habe, war ich begeistert, ihn nun in meinem LOFT zu hören. Und er gehörte dann auch zu den Musikern, die im LOFT eine Wildcard hatten, also bei uns auf jeden Fall spielen konnten, wenn wir einen Termin freimachen konnten.
Er hat dann auch oft bei uns gespielt und mit seinen Musikern im LOFT gewohnt.
Unvergessen unsere Gespräche nach den Konzerten. Er war kein einfacher Gesprächspartner mit sehr eigenwilligen Ansichten, in den letzten Jahren manchmal etwas aus der Zeit gefallen, aber immer ein Vollblutmusiker, für den es keine musikalischen Tabus und Grenzen gab und für den der „Jazz“ auch eine Haltung war und da er immer den Kontakt zu jungen MusikerInnen gesucht hat, hat er diese Haltung auch weitergegeben wollen – The Next Generation hieß eines seiner Projekte.
Lieber Gunter, diese Haltung war neben Deiner Musik das Entscheidende Deiner unverwechselbaren Persönlichkeit, sie wird mir, sie wird uns fehlen.
requiescat in pace
Hans Martin
