
Der ehemalige Betreiber des Kölner Konzertortes LOFT Hans Martin Müller wurde am 19. Mai 2026 im COMEDIA Theater mit dem Ehrenpreis des Kölner Kulturrates ausgezeichnet.
Zum Bericht von Horst Peter Koll / Kölner Stadtanzeiger:
https://www.ksta.de/kultur-medien/ehrung-fuer-hans-martin-mueller-die-hohe-kunst-der-freiheit-1283076
Der jetzt pensionierte langjährige stellvertretende Soloflötist des WDR Sinfonieorchesters (dessen Vorstand er 16 Jahre war) und ehemalige Dozent einer Hauptfachklasse der Hochschule für Musik und Tanz Köln wird für sein kulturelles und kulturpolitisches Engagement in der Stadt Köln geehrt.
Acht Jahre war er unter anderem Soloflötist des Bayreuther Festspielorchesters und Soloflötist und Solist in zahlreichen Kammerorchestern und Kammermusikvereinigungen. Neben seinen eigenen musikalischen Aktivitäten als Flötist lag ihm besonders die improvisierte Musik und der Jazz am Herzen: den von ihm vor 40 Jahren gegründeten Konzertort LOFT haben er und danach sein Sohn Dr. Urs Benedikt Müller zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Jazzclubs der Republik (u.a. zwei Mal Deutscher Jazzpreise als Club des Jahres) und Europas gemacht. Dazu war Mitbegründer und Gründungssprecher der Kölner Jazzkonferenz, und hat in seiner Zeit als Sprecher des Initiativkreis Freie Musik Köln maßgeblich die Neugestaltung der politischen Interessenvertretungen der freien Musikszene vorangetrieben und mitgestaltet.
Im Februar 2015 wurde Hans Martin Müller das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, im September 2019 wurde er das erste Ehrenmitglied der Kölner Jazzkonferenz.
„Dass die Arbeit des LOFTs für den Jazz und die improvisierte Musik von einer kulturell breit aufgestellten und interessierten Institution wie dem Kölner Kulturrat wahrgenommen und gewürdigt wird, das ist eine Auszeichnung, auf die ich stolz bin und über die ich mich persönlich ungemein freue, aber eben vor allem auch stellvertretend für meinen Sohn und Nachfolger Urs Benedikt und für die zahllosen Musiker*innen und Mithelfer*innen, die durch ihre Konzerte und ihre Arbeit das LOFT für die Stadt zu einem lebendigen Konzertort gemacht haben.“
Hans Martin Müller
Über den Kölner Kulturrat:
Der Kölner Kulturrat e.V. vereint seit 1998 Fördervereine und -institutionen des Kulturbereichs in der Stadt Köln. Als Interessenvertretung und Sprachrohr unterstützt er das kulturelle Geschehen Kölns durch persönliches Engagement und fachlichen Rat.
Abschrift der Dankesworte bei der Preisverleihung am 19. Mai 2026 im COMEDIA Theater Köln:

Einen schönen guten Abend von mir.
Ich fange mal so an: Heide Häusler, ich war unglaublich beeindruckt und jetzt weiß ich auch, warum ich nie zum Kulturmanager des Jahres vorgeschlagen worden wäre, weil ich bin so ganz anders gestrickt. Also ich bin nicht teamfähig, das ist völlig unmodern, aber ist leider so. Ich bin Einzelkämpfer gewesen, ich habe so eine Idee gehabt und die habe ich ausgeführt und natürlich haben sich Leute auch dafür begeistert, das ist vollkommen klar, aber das was sie erreicht haben, das wäre mir nicht gelungen.
Acht Mal steht das Wörtchen kurz in dem Laufplan, den wir erhalten haben, ich mache daraus jetzt mal – und das haben sie auch schon gemacht Frau Häusler – so kurz wie möglich oder wie Juristen sagen würden, grundsätzlich kurz. Wenn Zeit für die Ehrung ist, sollte auch ausreichend Zeit für den Dank sein.
Mein erster Dank gilt Ihnen – es ist schon fast alles gesagt, nur noch nicht von allen – Danke also dass Sie hier heute gekommen sind, diese Preise mit uns zu feiern. Ich danke den Kölner Kulturrat für die Würdigung und Wahrnehmung meiner Arbeit durch den diesjährigen Ehrenpreis und besonders der Jury und ihrer Vorsitzenden Angela Spitzig für die warmen Worte der Jurybegründung.
Dass diese Ehrung vom Kulturrat, das heißt von einer Vereinigung, von Fördervereinen und Institutionen, von bürgerschaftlichem Engagement für die Kölner Kultur, also von Kolleginnen und Kollegen kommt, freut mich ganz besonders und dass heute gleich noch ein weiterer Preis mit zeitgenössischen Jazz und improvisierter Musik in Verbindung steht, zeigt noch einmal den großen Stellenwert und auch die Aufmerksamkeit, den diese Musik in Köln im Augenblick zurecht genießt.
Von vier Personen habe ich für mein kulturelles Engagement sehr viel gelernt. Von meinem Vater Walter Müller, vom ehemaligen Musik-Hauptabteilungsleiter des WDR Dr. Alfred Krings, vom Galeristen Rudolf Zwirner und von meinem ältesten Freund Burkhard Hennen, dem langjährigen Leiter und Gründer des Internationale New Jazz Festival Moers, der heute Abend auch hier unter uns weilt. Ich freue mich sehr, dass ihr da seid. Und diese Personen denke ich mit Respekt und großer Dankbarkeit.
Mein Dank gilt natürlich auch den Helferinnen und Helfern im LOFT ganz besonders, mein Sohn und Nachfolger Urs Benedikt Müller, der in den letzten Jahren das Gute noch besser gemacht hat. Unserem Freund und Mitarbeiter Christopher Ullrich, den Mitgliedern des jungeloft, den Tonmeistern, den Klaviertechnikern und ganz besonders aber den Musikerinnen und Musikern, die das Angebot, die Infrastruktur des LOFTs kreativ zu nutzen, angenommen haben und damit das LOFT zu dem gemacht haben, wo die Musik sich frei entwickeln kann, ein Ort für Begegnung und Kommunikation mit nationaler und internationaler Ausstrahlung.
Geehehrt werde ich für ein Lebenswerk, das erfreulicherweise weiter bestehen kann und dafür danke ich auch der Kölner Kulturpolitik und vor allem den ehemaligen und aktuellen Mitarbeiter*innen des Kulturamts der Stadt Köln Renate Liesmann, Dr. Hermann Christoph Müller, Sylvia Hecker, Ulrike Lehmann und Dr. Juana von Stein. Sie haben den Wert des LOFTs für die Musikstadt Köln schon früh erkannt und gefördert und tun das auch weiter.
Es wurde schon von ihnen erwähnt, Frau Häusler, wir sind uns hoffentlich alle einig, dass eine angemessene und planbare Beteiligung der freien Szene an den Kulturmitteln der öffentlichen Hand dringend nötig ist und sogar erhöht werden sollte. Der Kulturrat hat ja auch Handlungsempfehlungen für eine Verbesserung der Bedingungen formuliert. Es geht hier nicht nur um finanzielle Mittel, sondern auch zum Beispiel um Erleichterungen bei Antragsstellungen, Teilhabe an Räumen und an Veranstaltungsorten. Auf all diesen Gebieten sind noch dicke Bretter zu bohren. Lassen Sie den Bohrern nicht aus der Hand. Teilen, sogar umverteilen: ein wichtiges Thema, was uns umtreibt im Augenblick in Gesellschaft und Politik und die Diskussionen darüber eröffnen ein weites Feld und sind mir ein großes Anliegen.
Last but not least, liebe Lis, liebe Frauke, lieber Benedikt und auch liebe Dana, euch gilt mein größter Dank: ihr habt mich immer unterstützt getragen und auch vor allem ertragen. Obwohl ich selten zu Hause war: als Veranstalter und Musiker führt man ein sehr familienfeindliches Leben und ihr habt das über 40 Jahre mitgemacht. Und so gehört die Hälfte dieses Ehrenpreises euch.
Ich habe nicht so viele Förderer zu bieten, das liegt daran, dass ich eben nicht teamfähig bin. Ich darf mich jetzt von Ihnen herzlich verabschieden, einen herzlichen Glück auf und ich wünsche uns noch einen schönen anregenden Abend.