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Stefan Schönegg „Enso“ // CD-Präsentation „Zyklus“

Donnerstag 19. Dezember 2019 - 20:30

Leonhard Huhn – Saxophon
Nathan Bontrager – Violoncello
Stefan Schönegg – Bass
Etienne Nillesen – präparierte snaredrum


© Heide Prange

2016 startete der umtriebige Kölner Bassist Stefan Schönegg sein Projekt „Enso“ mit dem Ziel, Raum zum Eintauchen zu schaffen. Die Musik, die er für Quartett bestehend aus Saxophon, Cello, Kontrabass und Schlagwerk konzipiert, bewegt sich im Zwischenraum von Improvisation, Neuer Musik und Jazz und fordert den Hörer durchaus heraus, denn man muss sich Zeit nehmen und genau hinhören. Dafür wird man aber belohnt mit leisen Intensitäten, manchmal bestehend aus Nicht-Gespieltem. „Aber das, was gespielt wird, entfaltet einen Reichtum wie ein japanischer Garten, der mit Erfolg vorgibt, eine komplette Landschaft zu sein.“ (Hans-Jürgen Linke, Jazzthetik, 2017)

Nicht zufällig nennt Schönegg Komponisten wie La Monte Young, Terry Riley, Morton Feldman und Georg Friedrich Haas oder japanischen Gagaku als musikalische Inspirationen. Eine entschleunigte wie konzentrierte Arbeitsweise und ein damit einhergehendes Klangresultat im Spannungsfeld von Reduktion und Durchlässigkeit spiegelt sich im Namen des Quartetts wider: Ensō (japanisch 円相, runde Form, Kreis) ist ein kalligrafisches Symbol, das entweder als vollständig geschlossener oder noch geringfügig geöffneter Kreis gezeichnet wird. Im Zen-Buddhismus symbolisiert es den wertungsfreien Ausdruck des Augenblicks, der zugleich alles und nichts umfasst.

Musikalisch durchstreifen die vier Instrumentalisten in „ZYKLUS“, der zweiten Veröffentlichung des Quartetts, ein ganzes Leben, blicken auf entscheidende Stationen und beleuchten chronologisch unterschiedliche Phasen. Stets findet jeder Gedanke seine musikalische Entsprechung: Bisweilen entsteht ein Stück aus einer lakonischen Spielanweisung, der wiederum durch Schönegg bewusst limitierte kompositorische Materialien zugrunde liegen. Plötzlich blitzt eine Melodie auf, geboren aus einer harmonischen Verbindung im Rahmen freier Improvisation. Sie bleibt, wird weitergesponnen, um sich schließlich wieder aufzulösen. Wie in jeder Musik spielt Zeit auch hier die Hauptrolle. Jedes akustische Ereignis durchströmt Vergänglichkeit – ist sie vom Quartett Enso aber erst einmal zum Haiku komprimiert, vermag sie sich schier endlos auszubreiten und das Leben, dieses unergründliche Rätsel, als solches anzunehmen.

ZYKLUS – Release 09/2019 auf IMPAKT Records

http://stefanschoenegg.de/enso/

„Like painters, Schönegg and his band create on ‘Enso’ small studies in one elegant movement, effortless and fluid. It’s an intriguing collection from a talented musician of whom we should be aware in the future.“ (The Free Jazz Collective, 3/2017)

„Konsequent agiert das Quartett getreu dem Motto: Weniger ist mehr. Reduktion wirkt hier aber nie manieristisch, sondern strahlt eine dem musikalischen Resultat immer dienende Natürlichkeit aus. Trotz oder gerade wegen dieser Zurücknahme können sich die Klangvorstellungen der vier Instrumentalisten ideal entfalten.“ (Musiktexte 154, 8/2017)