Freitag, 09.10.2015 – jungesloft: First Meetings Vol. 1 feat. Jacob Anderskov

 

jungesloft: First Meetings Vol. 1 feat. Jacob Anderskov

Jacob Anderskov – piano, David Helm – bass, Fabian Arends – drums


“The Loft Cologne for me is the good vibration room of the continent.”

Jacob Anderskov


Ein einfaches aber bestechendes Konzept erwartet den Zuhörer im Kölner Loft bei der Reihe „First Meetings“. Das eingespielte Rhythmusteam aus David Helm (Kontrabass) und Fabian Arends (Schlagzeug) trifft auf einen internationalen Gast, der mit ihnen in kurzer Vorbereitungszeit seine Musik auf die Bühne bringt. Die beiden Kölner Jazzmusiker luden mit Jacob Anderskov jemanden ein, dessen Musik sie auch im Besonderen geprägt hat: „Seine musikalische Sprache ist sehr rhythmisch, das hat uns beide beeindruckt. Diese Herangehensweise ist sehr individuell und inspirierend gerade auch für die Kölner Jazzszene“, erklärt Arends die Wahl ihres Gastes.

Dieser rhythmische Ansatz ist bereits zu Beginn des ersten Stücks deutlich zu spüren. Während die linke Hand Anderskovs sich mit dem Kontrabass verbündet, produziert seine rechte asymmetrische Rhythmen, die sich später zu einer Melodie verdichten. Der Rhythmus entwirrt sich nach und nach und findet eine repetitive Qualität. Wie schon im Titel des Stücks, „Sediment“, suggeriert, setzt dieser sich förmlich auf dem imaginären Boden der Musik ab.

Anderskov Musik ist geprägt durch punktgenau gesetzte Formteile und schnelle Übergänge, die Stücke scheinen fast in einem Atemzug geschrieben zu sein. „Ich muss mich auf der Bühne, beim Üben wie auch beim Komponieren auf dem höchsten Energielevel befinden. Dann lerne ich mehr, spiele ausdrucksvoller und komponiere besser. Mein Schlüssel zu diesem Energielevel ist Rhythmus“, stellt Anderskov fest und zeigt sich beeindruckt von der Vorbereitung seiner beiden Mitmusiker Arends und Helm.
„Ich hatte Stücke verschiedener Schwierigkeitsgrade mitgebracht, aber wir haben in der Probe mit den komplexen Stücken begonnen. Die beiden waren unglaublich schnell in der Lage, meine Musik umzusetzen. Das Schwierige ist nämlich, dass sie gleichzeitig rational ist, aber rhythmisch auch in einen irrationalen, nicht notierbaren Bereich vordringt.“
Seine beiden Mitmusiker bleiben tatsächlich sehr gelassen angesichts des rhythmisch wie tonal anspruchsvollen Materials. Arends umspielt aufmerksam auch Melodieteile geschmackvoll und subtil, Helm beinahe tänzelnd, so leicht mäandrieren sie durch die komplexen Rhythmen. Anderskov genießt sichtlich das Musikmachen mit seinem spontanen Trio, wiegt den Kopf hin und her, den Mund geöffnet. Das in der kurzen Probezeit aufgebaute Vertrauen erlaubt es ihm, sich viel Zeit für improvisatorische Klangforschung am Klavier zu nehmen. Oft steuert er extreme Lagen an und verweilt in dissonanten Klängen.

Dabei führt er Polyrhythmik und Polytonalität, eine der beiden wichtigsten Eigenarten seiner Musik, so konsequent und forsch ein, dass der Zuhörer sich in Sekundenschnelle daran gewöhnt. Zwischen festgelegten Unisono-Patterns wird improvisatorisch auf diese Weise alles möglich. Wie mit Pinseln unterschiedlicher Stärken füllt Anderskov dann seine Soloparts im Stück „Pull Up“ mal feinfühlig, mal mit der ganzen Hand über die Tasten rutschend. Auch das sanfte Intro zu „Blue in the face“ klingt sehr kraftvoll, wie mit Nachdruck gespielt: „Ich mag es, den Kontakt mit den Tasten wieder mehr zu spüren. Im Augenblick erlebe ich musikalisch so etwas wie eine zweite Jugend, die meine Musik nach einer eher impressionistischen Phase nun sehr erdig werden lässt.“

Helm und Arends lassen sich in Kontakt mit Anderskov sofort auf jeden erdenklichen dynamischen Zustand ein, sie sind zwar noch mit ihrem Sound erkennbar, doch wirken beinahe durchlässig, um die Musik Anderskovs in seinem Sinne zu interpretieren. Dies birgt die große Faszination der Konzertreihe „First Meetings“, nämlich die Flexibilität der zwei Kölner, die sich den Kompositionen, der Herangehensweise und der musikalischen Sprache des Gastmusikers völlig öffnen. Dabei kommt, wie im Konzert mit Jacob Anderskov, Musik aus verschiedenen Karrierezeitpunkten zum Vorschein und nicht zuletzt deren ganz aktuelles Material.

©Luis Reichard 2015


“Fabian and David were very well prepared, they were very structured reading really difficult oddmeters and were amazingly capable of the irrationality and expressivity of the rhythm at the same time. Its no surprise that when there’s a place in europe where people have that combination, it would be cologne, because the scene has this qualities.”
Jacob Anderskov